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10.08.2009

Was ist eigentlich eine Rettungsweste?

Text und Fotos: Klaus Schneiders

Dumme Frage, werden Sie sagen, was soll das schon sein? Eine Weste, die im Ernstfall Leben rettet! Stimmt, und damit ist eigentlich schon alles über eines der wichtigsten Ausrüstungsstücke an Bord gesagt. Wirklich? Wieso fristen dann die meisten der Westen ein Schattenleben in abgelegenen Stauräumen?

Ach auf diese Frage gibt es eine klare Antwort: Weil kaum jemand die nützlichen Helfer konsequent anlegt. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. An erster Stelle wird meist angeführt, die Teile seien unbequem zu tragen und würden die Beweglichkeit einschränken. Das mag bei den preiswerten Feststoffwesten durchaus zutreffen, doch bei den modernen Automatikwesten auf keinen Fall. Die liegen im nicht aktivierten Zustand flach an und schränken die Bewegungsfreiheit nicht ein. Ein wichtiges Kriterium beim Kauf einer Rettungsweste ist also der Tragekomfort - und den wird man beim Einkauf im Fachbetrieb mit einer Anprobe leicht ermitteln können. Die neue Jeans probieren Sie vor dem Kauf schließlich auch an. Neben dem Komfortaspekt ist die Auftriebskraft der Weste von entscheidender Bedeutung. Auskunft darüber gibt ein Aufdruck im Typenschild der Weste. Der Auftrieb sollte dem Körpergewicht des Trägers zuzüglich dem Gewicht nasser Kleidung entsprechen. Jede Rettungsweste verfügt über einen speziell ausgeformten Kragen, der auch eine bewusstlose Person selbsttätig in Rückenlage dreht und den Kopf über Wasser hält, damit die Atmung gewährleistet ist. Westen ohne dieses Merkmal können bestenfalls als Schwimmhilfen bezeichnet werden und kommen beim Wasserskilaufen und anderen Funsportarten zum Einsatz. Die Automatikwesten bestehen aus einem Schlauchgewebe und einer Auslösevorrichtung. Diese besteht im Kern aus einer Gaspatrone deren Inhalt bei Wasserkontakt durch eine sich auflösende Salztablette oder eine wasserempfindliche Membran den Auftriebskörper in maximal fünf Sekunden füllt. Sollte der Mechanismus versagen, kann die Weste auch mit dem Mund aufgeblasen werden. Der Nachteil der aufblasbaren Westen liegt im Wartungsaufwand. Um die Funktionalität zu gewährleisten, fordern die meisten Hersteller die Überprüfung des Auslösemechanismus und die Erneuerung der Salztablette. Bei der Wartung muss natürlich darauf geachtet werden, dass auch die passende Gaspatrone eingesetzt wird. Eine zu kleine Patrone würde zu verringertem Auftrieb, eine zu groß dimensionierte eventuell zur Beschädigung des Rettungsmittels führen. Die Ausstattung der Westen variiert. Gute Westen sind aus Material in Signalfarben gefertigt und verfügen über lichtreflektierende Applikationen. Da die meisten Menschen nicht bei gutem Wetter über Bord gehen, unterstützen Lichtsignale die Arbeit der Retter. Gute Westen besitzen deshalb entsprechende Vorrichtungen. Doch was nützt die bestgewartete Weste, wenn sie nicht angelegt wird? Nichts! Vielleicht hilft ja der Umgang mit Kindern zu einer größeren Akzeptanz dieses wichtigen Ausrüstungsstückes. Der Nachwuchs sollte ohne Weste weder Steg noch Boot betreten. Blöd nur, wenn die Großen da nicht mit gutem Beispiel vorangehen... „Manno, das nervt!“ Und noch ein Grund, sich einmal um die Rettungswesten zu kümmern. In vielen Urlaubsländern sind sie zwingend vorgeschrieben und das wird auch kontrolliert. Sollten Sie bei einer solchen Kontrolle erst einmal mit dem großen Suchen anfangen, ist Ihnen ein Verwarnungsgeld sicher. Rettungsmittel müssen jederzeit griff- und einsatzbereit sein, denn ein Notfall kündigt sich nur selten an! Zurück zur Ausgangsfrage: Was ist eigentlich eine Rettungsweste? Die Antwort ist jetzt vielleicht noch klarer. Die Rettungsweste ist eines der wichtigsten Ausrüstungsteile an Bord das entsprechend gepflegt und stets griffbereit gestaut sein sollte.