Was ist eigentlich ein Marinefernglas?
Der gezielte Blick in die Ferne hat auf See trotz modernster Technik immer noch größte Bedeutung für Navigation und Sicherheit an Bord. Ein Fernglas erweitert die natürliche Sehfähigkeit und wird dadurch zu einem unverzichtbaren optischen Gerät in der Seefahrt. Doch was macht ein gutes Marineglas aus?
Schon früh hat die Industrie ganz spezielle Gläser für den Bordgebrauch entwickelt. Heute bietet nahezu jeder Fernglashersteller ein so genanntes Marineglas an. Nach allgemeinen Kriterien sollte ein Marineglas wasserdicht und stoßfester als ein normaler Feldstecher sein und auch auf schwankenden Planken ein möglichst ruhiges Bild liefern. Je stärker ein Fernglas vergrößert, um so schwieriger wird der Gebrauch an Bord sein. Die Bilder fangen schnell an zu tanzen und der Betrachter kann sein Ziel kaum festhalten. Diese Erfahrungen hat so gut wie jeder Skipper schon einmal gemacht. Ein Marineglas ist deshalb immer ein Kompromiss zwischen Vergrößerung und Handhabungsmöglichkeit. Marinegläser haben in der Regel eine siebenfache Vergrößerung. Das bedeutet: Ein 1000 Meter entferntes Objekt scheint nur rund 140 Meter vom Betrachter
entfernt zu sein. Dabei soll die Lichtstärke hoch genug sein, um das Glas auch in der Dämmerung einsetzen zu können. Da die Lichtstärke von der Größe der Eingangslinse abhängig ist, haben Marinegläser mit 50 Millimeter Durchmesser eine verhältnismäßig große Eintrittspupille. Beide Werte sind die Grundlage der technische Beschreibung eines klassischen Marineglases und diese lautet: 7 x 50. Es gibt jedoch noch weitere Kriterien, die die Lichtstärke des Glases beeinflussen. Genau wie die Größe der Eintrittspupille ist auch der Durchmesser der dem Auge zugewandten Austrittspupille für ein helles Betrachterbild wichtig. Man kann ihre optimale Größe folgendermaßen berechnen: Durchmesser der Eintrittspupille dividiert durch den Vergrößerungsfaktor des Glases (50 : 7 = 7,1). Bei einem Marineglas sollte der Durchmesser also rund 7 Millimeter betragen. Die Vergütung der Linsen und Prismen spielen eine Rolle dabei, wie viel des eingehenden Lichts tatsächlich das Auge erreicht. Diese Transparenz wird Transmission genannt. Je stärker die Transmission ist, um so besser kann man das Glas in der Dämmerung einsetzen. Die so genannte Dämmerungszahl lässt sich ebenfalls leicht berechnen. Man erhält sie, wenn Vergrößerungsfaktor und Eintrittspupillen-Durchmesser multipliziert werden und aus dem Ergebnis die Quadratwurzel gezogen wird. Mit einem Taschenrechner ist das kein schwieriges Unterfangen. Fast alle Spezialgläser für den Bordgebrauch besitzen klassische Porro-Prismensysteme und erhalten dadurch ihre typische Form mit den „breiten Schultern“. Einige Fernglashersteller bieten Marinegläser mit den moderneren Dachkanten-Prismensystem mit fast linearem Strahlengang des Lichtes an, was nicht nur den Bau von Ferngläsern ohne die „breiten Schultern“ ermöglicht, sondern auch bei gleicher Lichtstärke kleinere Eintrittspupillen zulässt. Die technischen Daten dieser Marinegläser lauten 7 x 42 oder 7 x 45. Dachkantprismen sind in der Regel leichter, aber auch teurer als Porro-Prismen. Auch bei starker Temperaturschwankung darf ein Marineglas innen nicht beschlagen. Und das wird in der Regel durch eine Gasfüllung erreicht. Selbst in Zeiten von GPS, Kartenplotter und Radargerät spielen Marinegläser mit eingebauten Kompass immer noch eine wichtige Rolle. Mit ihnen wird eine Peilung zum Kinderspiel. Ein gutes Glas mit integriertem Kompass sollte natürlich auch alle genannten Kriterien eines guten Marineglases erfüllen. Darüber hinaus muss der Kompass gedämpft sein, damit er auch bei stärkeren Bootsbewegungen ablesbar bleibt. Optimal einzusetzende Gläser haben einen beleuchteten Kompass was wegen der erforderlichen Batterie in einem höheren Gewicht resultiert.

